IGS Stierstadt

Zweitzeuginnen-Gespräch mit Judy Rosenthal: Geschichte lebendig gemacht

Kürzlich hatte der Geschichtsleistungskurs von Riccarda Wawra die besondere Gelegenheit, mit Judy Rosenthal ins Gespräch zu kommen. Als Zweitzeugin gibt sie die Geschichte ihres Vaters weiter, der 1936 mit seiner Familie aus Deutschland in die USA floh, um der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entkommen.

Judy Rosenthal wurde 1957 in Chicago geboren, ihre Familie hat sowohl amerikanische als auch deutsche Wurzeln. Sie studierte Kunstgeschichte, Deutsch und Englisch und zog in den 1980er-Jahren nach Deutschland, wo sie bis heute in Frankfurt lebt. Als freiberufliche Übersetzerin mit Schwerpunkt auf Kunst und die Geschichte des Nationalsozialismus verbindet sie ihre berufliche Expertise mit ihrem persönlichen Anliegen: Geschichte durch Gespräche erlebbar zu machen.

Ihr Besuch an unserer Schule ermöglichte den Schülerinnen und Schülern einen tiefen Einblick in die Auswirkungen der NS-Zeit auf individuelle Schicksale. Anstatt reine historische Fakten aus Büchern zu lernen, konnten sie durch den persönlichen Austausch ein viel greifbareres Verständnis für das Thema entwickeln. Besonders eindrucksvoll war, wie Frau Rosenthal die Lebensgeschichte ihres Vaters und die Erfahrungen ihrer Familie mit der Gegenwart verknüpfte und Fragen zur Erinnerungskultur, Verantwortung und den Lehren aus der Geschichte beantwortete.

Das Gespräch regte dazu an, sich kritisch mit dem Thema Flucht, Verfolgung und gesellschaftlicher Verantwortung auseinanderzusetzen. Gerade in einer Zeit, in der Zeitzeugengespräche immer seltener werden, ist es umso wichtiger, dass Zweitzeugen wie Judy Rosenthal die Erinnerung weitertragen. Ihr Besuch war eine Bereicherung für unsere Schule und ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie lebendige Geschichtsvermittlung junge Menschen nachhaltig prägen kann.